Mit viel Leidenschaft und großem Engagement hat uns Hatice Çevik, muslimische Theologin, Pflegefachkraft, Hospizbegleiterin, in die hospizliche Begleitung von muslimischen Menschen mitgenommen.
Anhand der Vielfältigkeit von Symbolen schaffte sie für die knapp zwanzig Zuhörer*innen einen je eigenen Zugang zu ihrer Kultur, zur Religion und zu persönlichen Erfahrungen.
Ein Grundwissen über den muslimischen Glauben ist hilfreich für die hospizliche Begleitung von Menschen, die sich zum Islam bekennen. Frau Çevik erläuterte uns die Inhalte und das Gottesbild. So werden im Islam Krankheit und Sterben nicht nur als körperliche Herausforderung betrachtet, sondern auch als spirituelle Prüfung. Glaube spendet Trost und gibt innere Stärke.
„Wir gehören Allah und zu ihm kehren wir zurück.“ Unter dieser Prämisse leben und sterben Menschen islamischen Glaubens.
Der Kranke hofft auf göttliche Barmherzigkeit. Krankheit gilt als Gelegenheit, sich innerlich zu reinigen, sich Gott zuzuwenden und Dankbarkeit zu üben.
Gebete unterstützen die Verbindung zu Gott, geben Hoffnung, Trost und beruhigen.
„Ein kranker Mensch“, so Frau Çevik, „sollte sich geduldig zeigen und daran glauben, dass das ganze Leben Teil der göttlichen Bestimmung ist. Es gilt, Schmerz mit Sinn zu erfüllen und ihm mit Vertrauen und Liebe zu begegnen.
Die Familie und die Glaubensgemeinschaft sind im Islam eine wichtige Unterstützung und geben Trost. Die Familie betet mit dem Angehörigen und rezitiert Koranverse. Das Aussöhnen spielt eine große Rolle. Der Krankenbesuch ist soziale Pflicht und gilt für den Besucher als spirituelle Belohnung.
Hinweise, z. B. vor dem Eintreten in den Raum anzuklopfen, Blickkontakt zu halten und auf keinen Fall die Hände zu schütteln, sind wichtige Informationen für die Begleitung. Zugleich sollten in den Begleitungen immer gleichgeschlechtliche Begleiter*innen eingesetzt werden.
Wie in der christlichen Tradition ist der Tod im Islam nicht das Ende, sondern der Beginn einer neuen Phase des Daseins. Der Übergang in diese neue Welt wird begleitet durch Gebete und durch die rituelle Waschung nach Eintreten des Todes. Anders als bei Christ*innen werden allerdings keine Kerzen angezündet und keine Musik gespielt. Die Begegnung mit dem Verstorbenen geschieht in friedlicher Atmosphäre und die Angehörigen trauern in Gemeinschaft, nach Geschlechtern getrennt.
Für mich als Hospizbegleiterin spielt die Religionszugehörigkeit insofern eine Rolle, als ich die Rituale verstehen möchte, um dementsprechend zu unterstützen. Hierfür war die Fortbildung hilfreich und wichtig. Ungeachtet der Religion allerdings geschieht die Begegnung mit den Menschen immer mit Mitgefühl, Würde und Respekt dessen, was ihm wichtig und heilig ist.
Ute Johann-Wolf-Vorbeck
Ambulante Hospizgruppe Freiburg e. V.
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